Todesmarsch
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Einordnung: Deutsche Geschichte
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Ein Todesmarsch ist ein Marsch, zu dem eine Gruppe von Menschen – meist Häftlinge oder Kriegsgefangene – gezwungen werden und auf dem ein großer Teil der Marschierer aufgrund der Bedingungen umkommt.
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Umstände
Die hohe Todesrate bei solchen Märschen kann auf Gleichgültigkeit bei den Bewachern und ihren Vorgesetzten zurückzuführen sein – die Tode werden zwar nicht aktiv angestrebt, aber auch nicht als Problem betrachtet. Daher sind die Marschbedingungen so, dass viele der Marschierer aufgrund von Unterernährung, Überbeanspruchung oder Krankheit sterben, ohne dass Gegenmaßnahmen getroffen werden.
Todesmärsche können aber auch bewusst so gestaltet werden, dass viele oder alle der Marschierer sterben sollen. Dann kommen oft zu den oben genannten Bedingungen noch Gewalttaten durch Aufseher oder auch durch eine feindliche Bevölkerung.
Beispiele
Trail of Tears
1838 / 1839 in den USA gegen Indianer, v.a. Cherokee; siehe Pfad der Tränen
Armenier 1915
durch die türkische Regierung; siehe Völkermord an den Armeniern
Todesmärsche im Dritten Reich
Viele Verlegungen aus KZs 1944 und 1945 waren Todesmärsche. Beim Herannahen der jeweiligen Befreiungsarmeen (US-Armee, Rote Armee) wurden die Häftlinge der KZs auf Märsche geschickt, die in entgegengesetzter Richtung zu anderen Lagern oder zu Schiffen führten.
Die Todesmärsche gingen von den KZ-Lagern auch in Richtung Ostsee, da die SS dort Schiffe bereitgestellt hatte wie die Cap Arcona, Thielbek, Athen, Wilhelm Gustloff und andere Schiffe, die offensichtlich von der Marine aufgegeben wurden. Am 3. Mai 1945 trieben die Cap Arcona, die Thielbek, die Athen und die Deutschland schutzlos in der Lübecker Bucht zwischen Neustadt (Holstein) und Scharbeutz. Sie wurden von alliierten Fliegern versenkt. Rund 7.000 bis 8.000 KZ-Insassen des KZ Neuengamme ertranken. Überlebende wurde am Ufer von der SS erschossen.
An vielen Orten, besonders in den neuen Bundesländern, sind Stellen, an denen Menschen auf Todesmärschen starben, auf den Straßen mit Gedenksteinen markiert. Leider geben diese Mahnmale keinen Hinweis, um welchen Menschen es sich jeweils handelte.
Die Anzahl der auf diesen Todesmärschen zu Tode gekommenen Menschen ist nicht bekannt.
Einzelne Märsche:
- Vom Neuengamme zu Schiffen an der Ostsee: siehe Cap Arcona
- Von Flossenbürg nach Dachau: Der spätere DDR Wirtschaftsminister Fritz Selbmann beschreibt in seinem Buch Die lange Nacht den Todesmarsch aus Flossenbürg, auf dem er fliehen konnte. Veranlasst hatte den Marsch der Lagerkommandant Max Koegel. Nach Kriegsende wurden über 5.000 Tote entlang der Routen entdeckt.
- Von Dachau: Von Dachau aus fanden mehrere Todesmärsche statt. Eine Übersichtskarte findet sich hier: Von Buchenwald über Flossenbürg nach Dachau:
- Dieser Marsch nahm nach den vorliegenden Zeugenaussagen am 4. April 1945 seinen Ausgang im Konzentrationslager Buchenwald. Er soll zu Beginn etwa 1.500 Häftlinge umfasst haben und über Flossenbürg nach Oberbayern gelangt sein, wo er am 29. April bzw. 1. Mai 1945 in zwei Kolonnen in Kraiburg ankam.
- Es ließ sich feststellen, dass eine Marschkolonne KZ-Häftlinge am 29. oder 30. April und eine weitere wahrscheinlich am 1. Mai 1945 durch Kraiburg zog. die erste Kolonne marschierte von Kraiburg über Ensdorf, Oberneukirchen mit dem Ziel, über Laufen nach Österreich zu gelangen, während die zweite von Kraiburg aus in Richtung Wasserburg zog. Auf ihrem Weg wurden laufend marschunfähige Häftlinge von der SS-Bewachungsmannschaft erschossen. Die Leichen wurden jeweils neben der Straße liegen gelassen oder nur ganz oberflächlich mit Erde überdeckt.
- (Angaben aus den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsakten beim Landgericht München I, 119 b u. JS 3/71)
- Von Auschwitz nach Mauthausen: Peter van Pels, einer der mit Anne Frank Versteckten, wurde am 16. Januar 1945 auf einen Todesmarsch von Auschwitz nach Mauthausen geschickt, wo er drei Tage vor der Befreiung am 5. Mai 1945 starb.
- Von Dora-Mittelbau
- Von Heimkehle
- Am 10. April 1945 aus KZ Börgermoor und KZ Esterwegen. Etwa 1.100 Häftlinge mußten nach Collinghorst marschieren, die Überlebenden erreichten am 11. April 1945 das KZ Aschendorfermoor
Todesmarsch von Bataan (1941):
Der Todesmarsch von Bataan führte 70.000 amerikanische und philippinische Gefangene an 6 Tagen über 100 km in japanischer Kriegsgefangenschaft. 16.000 Gefangene starben auf dem Weg.
Literatur
- Erich Selbmann Die lange Nacht. Mitteldeutscher Verlag, Halle 1961
Weblinks
- weitere Weblinks
- Text Todesmarsch Flossenbürg Fotos der US-Militärbehörde Marsch Flossenbürg
- Suche nach Todesmarsch Infos mit: Yahoo
