Tokajer
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Einordnung: Wein | Ungarn | Slowakei
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Tokajer ist ein ungarischer oder slowakischer Wein, der aus dem 87 Kilometer langen und drei bis vier Kilometer breiten Tokajer Weingebiet stammt und der zu den Dessertweinen gezählt wird. Nur bestimmte Produkte aus dieser Region dürfen den ehrenvollen Namen Tokaji (ungarisch) bzw. Tokajský/-á/-é (slowakisch), d. h. auf Deutsch „Tokajer“, tragen.
Mit dem Zerfall des Königreichs Ungarn 1918 (bestätigt durch den Friedensvertrag von Trianon von 1920) sind sieben Gemeinden des ehemaligen Königreichs Ungarn im Tokajer Weingebiet Bestandteil der Tschechoslowakei geworden, und seitdem gibt es auch ein kleines slowakisches Tokajer Weingebiet, in dem slowakische Tokajské vÃno-Flaschen produziert werden.
Weine mit der Kennung Tocai oder Tokay sind meist irreführende Bezeichnungen italienischer oder französischer Produkte.
Ausschlaggebend für die Qualität des Tokajer ist das komplexe Zusammenspiel zwischen Bodenbeschaffenheit, Klima, Rebsorte, Weinherstellung und Kellerbehandlung. Die Rebsorten, die auf dem vom Nordwind geschützten vulkanischen Boden mit Löß- und Sandauflage angebaut werden, sind Furmint (ca. 70 %), Lindenblättriger (ung. Hárslevelű, sl. Lipovina) (20–25 %), Muscat lunell (dt. Gelber Muskateller, ung. Sárgamuskotály, sl. Muškát žltý; 5 %) und Oremus, die alle spät reifen. Dadurch profitieren die Weintrauben nicht nur von den trockenen, heißen Sommern, sondern auch von den langen, warmen und nebelreichen Herbsten, die dem Edelfäulepilz ideale Wachstumsbedingungen liefern.
Die Weinkeller der Region zeichnen sich durch eine ideale Luftfeuchtigkeit und eine gleichbleibende Temperatur von 10 bis 12 Grad Celsius aus. Die Wände der Weinkeller sind mit dem Schimmelpilz Cladosporium cellare bedeckt, der sich vom Alkohol ernährt, der aus den Weinfässern verdunstet. Aufgrund des Schimmelpilzes entsteht ein Mikroklima, dem die Tokajer Weine ihr einzigartiges Aroma verdanken.
Gekeltert werden edelfaule Trauben, bei denen die Sporen des Schimmelpilzes Botrytis cinera bewirkt, dass der Wassergehalt der Trauben verdunstet. Dabei nimmt gleichfalls der Säuregehalt ab, so dass der Zuckergehalt bis zu 70% steigt. Der Edelfäuleprozeß der Beeren wird durch einen regenreichen Sommerausklang gefördert, an den sich vier bis fünf sonnige Herbstwochen anschließen.
Siehe auch: Tokajer Weingebiet
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