Urbanisierung
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Einordnung: Städtebau
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Mit dem Begriff Urbanisierung (lat. urbs: Stadt) bezeichnet man im Allgemeinen die Verstädterung. Im engeren Sinn wird damit die Vermehrung, Ausdehnung oder Vergrößerung von Städten bezeichnet.
Es wird dabei zwischen drei Arten der Urbanisierung unterschieden:
- Die physiognomische Verstädterung:
Sie bedeutet eine Ausbreitung städtischer Wohnformen und Flächennutzung - Die funktionale Verstädterung:
Es kommt zu einer Verflechtung zwischen Stadt und Land. Dabei breitet sich die städtische Produktion aus und es entwickeln sich neue Kommunikations- und Informationsnetze - Die soziologische Verstädterung:
Das Umland nimmt Normen und Wertvorstellungen der städtischen Bevölkerung an und auch das Konsumniveau und die Haushaltsführung gleichen sich an.
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Unterschiede der Verstädterung in Industrie- und Entwicklungsländern
Mit dem Prozess der Verstädterung war in den Industrieländern die Umgestaltung von einer traditionellen ländlichen Gesellschaft in eine stark arbeitsteilig-urbane Gesellschaft verbunden. Hier ging der Industrialisierung und Verstädterung entweder eine tief greifende Agrarreform voraus, oder beide Prozesse erfolgten gleichzeitig.
Die Verstädterung in den heutigen Entwicklungsländern setzte in den 1920er-Jahren in Lateinamerika ein und hat seit dem Zweiten Weltkrieg auf alle Länder übergegriffen. Jedoch weist sie gegenüber dem Verstädterungsprozess der Industrieländer grundlegende Unterschiede auf:
- In den meisten Entwicklungsländern geht die Verstädterung in der Regel der Industrialisierung weit voraus und erfolgt meist unkontrolliert. Die in den 50er- und 60er-Jahren in das Städtewachstum gesetzte Hoffnung, Motor der Modernisierung zu sein, hat sich kaum erfüllt.
- Die städtische Bevölkerung in den Entwicklungsländern wächst wesentlich stärker als in den meisten europäischen Industrieländern während ihres größten Wachstums in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
- In den Industrieländern wuchsen die Städte im 19. Jahrhundert hauptsächlich durch Zuwanderung, weniger durch natürliches Bevölkerungswachstum. Auf den Mega-Städten der Entwicklungsländer lastet dagegen ein doppelter Druck: Die starke Zuwanderung (40-50 % des jährlichen Wachstums) wird von einem noch höheren, wenn auch sich abschwächenden natürlichen Wachstum begleitet.
- Die Industrialisierung erfolgte in den Industrieländern durchweg durch nationale Eigenanstrengungen und unter enger Verknüpfung der verschiedenen industriellen Branchen miteinander und mit den übrigen Wirtschaftssektoren. Mit Ausnahme weniger NIC (Newly Industrializing Countries) und Schwellenländer fehlen in den Entwicklungsländern diese aufeinander abgestimmten, miteinander verknüpften Prozesse.
Ursachen der Verstädterung in Entwicklungsländern
Die Ursachen der Verstädterung in den Entwicklungsländern sind vielschichtiger und komplexer als in den alten Industrieländern:
- Demografische, wirtschaftliche (z. B. Landmangel), politische und soziale Faktoren veranlassen zur Landflucht. Umweltzerstörung, Vertreibung und Flucht vor Kriegen/Bürgerkriegen wirken zusätzlich als Push-Faktoren der Migration in die Städte.
- Als Pull-Faktoren wirken anspruchsvollere Arbeit, leichterer Zugang zu Bildungsmöglichkeiten und Gesundheitsdiensten, vielseitigere kulturelle und Freizeitangebote und günstigere Infrastrukturausstattung (Wasser, Elektrizität, Verkehrsmittel usw.) als auf dem Lande. Auch die Akzeptanz von Familienplanung spielt eine Rolle.
Die Anziehungskräfte der Städte und die Abstoßungskräfte des ländlichen Raumes verknüpfen sich miteinander zu einem kräftigen Migrationsmotiv. In der Regel ist es der besser ausgebildete Bevölkerungsteil, der wirtschaftlich stagnierende ländliche Gebiete verlässt.
Motive der Land-Stadt-Migration
Push Faktoren des ländlichen Raumes
- Demografische Faktoren:
- Starkes Bevölkerungswachstum, Übervölkerung
- Überalterung
- Ökologische Faktoren:
- Ungünstige natürliche Standortbedingungen, hohe Abhängigkeit von Naturbedingungen
- Bodenzerstörung, Desertifikation
- Überschwemmungsgefährdung
- Naturkatastrophen
- Wirtschaftliche Faktoren:
- Geringe Betriebsgrößen bzw. fehlender Landbesitz
- Niedrige Einkommen, Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung
- Niedrige Erträge, Subsistenzlandwirtschaft
- Mangelhafte Ausstattung mit Betriebsmitteln
- Marktferne oder fehlende Märkte von Zwischenhändlern
- Häufig Verschuldung bei Geldverleihern
- Mangelhafte Infrastruktur:
- Mängel in der Gesundheitsversorgung
- Unzureichende Bildungs- und Ausbildungsangebote
- Fehlende kulturelle und Freizeit-Angebote
- Schlechte Verkehrserschließung und -anbindung
- Gesellschaftliche Faktoren:
- Soziale Kontrolle in der dörflichen Gemeinschaft
- Ethnische & soziale Konflikte, Kriege & Bürgerkriege
- Vernachlässigung durch die Politik
Pull Faktoren der Städte
- Wirtschaftliche Erwartungen:
- Arbeitsplätze
- Höhere Einkommen
- Berufliche Aufstiegschancen
- Verbesserte(r) Konsum/Versorgung
- Soziale Erwartungen:
- Größere Unabhängigkeit durch Reduzierung der sozialen Kontrolle
- Bildungs-/Ausbildungschancen
- Bessere Gesundheitsversorgung
- Höhere Wohnqualität
- Altersversorgung
- Vielfältige kulturelle Freizeitangebote
- Höherer Lebensstandard
- Modernität der städtischen Lebensweise, vorgespielt durch Medien
Literatur
- Krabbe, Wolfgang R.: Die deutsche Stadt im 19. und 20. Jahrhundert : eine Einführung, Vandenhoeck & Ruprecht : Göttingen 1989, 224 S. (=Kleine Vandenhoeck-Reihe 1543) ISBN 3-525-33555-5
siehe auch: Suburbanisierung
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