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Visconti

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Visconti ist der Name einer der großen Familien Italiens, die lange Zeit Mailand und die Lombardei regierte; sie beanspruchte fĂŒr sich die Abstammung vom Langobardenkönig Desiderius, und besaß im 11. Jahrhundert LĂ€ndereien am Comer See und am Lago Maggiore.

Ottone, der sich im ersten Kreuzzug auszeichnete, wird 1078 als Vizegraf von Mailand erwĂ€hnt – Visconte di Milano als Herkunft des Familiennamens. Die Basis fĂŒr das Familienvermögen legte ein weiterer Ottone Visconti (* 1207‚ † 18. August 1295), ein Kanoniker aus Desio, der durch den Einfluss des Kardinals Ubaldini von Papst Urban IV. (regierte 1261-1264) 1262 als AnfĂŒhrer der Ghibellinen zum Erzbischof von Mailand ernannt wurde. Die Familie della Torre, die die AnfĂŒhrer der Guelfen war und zu dieser Zeit die Stadt kontrollierte, widersetzte sich der Ernennung, und erst nach seinem Sieg bei Desio im Jahr 1277 war es Ottone möglich, seine Diözese in Besitz zu nehmen und die Herrschaft der Visconti ĂŒber die Stadt zu begrĂŒnden. Er ließ Napoleone della Torre und fĂŒnf seiner Verwandten in EisenkĂ€fige sperren, und richtete seine weiteren Anstrengungen auf die Zukunft seines Neffen Matteo.

Matteo I. Visconti (* 15. August 1255 in Invorio) folgte seinem Onkel als politischer AnfĂŒhrer Mailands, und obwohl ein Aufstand der della Torre 1302 ihn zur Flucht nach Verona zwang, brachte ihn seine standfeste LoyalitĂ€t zur kaiserlichen Sache in Italien den Dank Heinrichs VII. (regierte 1308-1313), die Wiedereinsetzung in Mailand 1310 und das Amt des kaiserlichen Vikars der Lombardei ein. Er brachte Piacenza, Tortona, Pavia, Bergamo, Vercelli, Cremona und Alessandria unter seine Herrschaft. Obwohl ein fĂ€higer General, verließ er sich fĂŒr seine Erwerbungen stĂ€rker auf Diplomatie und Bestechung, und wurde als Modell eines vorsichtigen italienischen Despoten angesehen. Seine beharrliche ghibellinische Politik und sein Streit mit Papst Johannes XXII. (regierte 1316-1334) ĂŒber die Besetzung des Bischofsstuhls in Mailand brachten ihm 1322 die Exkommunikation durch den pĂ€pstlichen Legaten Bertrand du Puy ein. Er dankte zugunsten seines Sohnes Galeazzo ab und starb in Creszenzago am 24. Juni des gleichen Jahres. Außer Galeazzo hinterließ er noch die Söhne Marco, Lucchino, Giovanni und Stefano.

Galeazzo I. Visconti (* 1277, † 1328) regierte Mailand von 1322 bis 1328; er setzte sich 1324 mit UnterstĂŒtzung des Kaisers Ludwig IV (regierte 1314-1347) in Vaprio an der Adda gegen die Armee durch, die der Papst gegen die Visconti gesandt hatte. 1327 setzte ihn der Kaiser in Monza gefangen, weil er im Verdacht stand, mit der Kirche Frieden geschlossen zu haben, und wurde lediglich aufgrund der Intervention seines Freundes Castruccio Castracani freigelassen. Von seiner Frau Beatrice d’Este hatte er einen Sohn, Azzo, der sein Nachfolger wurde. Sein Bruder Marco war Befehlshaber einer deutschen Truppe, die Pisa und Lucca eroberte; er starb 1329.

Azzo Visconti (* 1302, † 1339), der seinem Vater 1328 folgte, kaufte den Titel eines kaiserlichen Vikars fĂŒr 25.000 Florin vom gleichen Kaiser, der Galeazzo eingesperrt hatte. Er eroberte zehn StĂ€dte, ermordete seinen Onkel Marco (1329), unterdrĂŒckte einen Aufstand seinen Vetters Lodrisio, reorganisierte die Verwaltung seiner LĂ€nder, baute den achteckigen Turm von San Gottardo, und hinterließ Mailand seinen Onkeln Lucchino und Giovanni.

Lucchino Visconti schloss 1341 Frieden mit der Kirche, kaufte Parma von Obizzo d’Este und brachte Pisa in seine AbhĂ€ngigkeit. Obwohl er ein fĂ€higer General und Regent war, war er auch eifersĂŒchtig und grausam; er wurde 1349 von seine Ehefrau Isabella Fieschi vergiftet. Sein Bruder Giovanni Visconti, Erzbischof von Mailand und Herr der Stadt von 1349 bis 1354, war einer der bemerkenswerten Charaktere seiner Zeit. Er unterstĂŒtzte Petrarca, dehnte die Herrschaft der Visconti ĂŒber Bologna aus (1350), widersetzte sich Papst Klemens VI. (regierte 1342-1352) und annektierte Genua (1353); bei seinem Tod am 5. Oktober 1354 hatte er die Herrschaft seiner Familie ĂŒber ganz Norditalien außer Piemont, Verona, Mantua, Ferrara und Venedig ausgedehnt. Die Visconti der Zeit des Erzbischofs Giovanni waren keine Rivalen der della Torre mehr, auch nicht abhĂ€ngig von kaiserlichen Launen, sondern echte souverĂ€ne Herrscher mit der anerkannten Macht ĂŒber Mailand und seine Umgebung. Der Staat wurde bei Giovannis Tod unter den drei Söhnen Stefanos, Matteo II., Galeazzo II. und Bernabo, aufgeteilt:

Matteo II. Visconti, der in Bologna, Lodi, Piacenza und Parma folgte, widmete sich selbst der Sittenlosigkeit, und wurde 1355 auf Anweisung seiner BrĂŒder ermordet, die anschließend seine Gebiete gemeinsam und vergleichsweise fĂ€hig regierten. Galeazzo II. Visconti, der in Pavia residierte, war vornehm und gutaussehend, Förderer Petrarcas, GrĂŒnder der UniversitĂ€t Pavia und ein begabter Diplomat. Er verheiratete seine Tochter Violante an Lionel, Herzog von Clarence, einen Sohn des englischen Königs Eduard III. (regierte 1327-1377), was ihn eine Aussteuer von 200.000 Goldflorin kostete, und seinen Sohn Gian Galeazzo an Isabella, Tochter des Königs Johann II. von Frankreich (regierte 1350-1364). Er starb 1378. Bernabo Visconti, der in Mailand residierte, war permanent in Kriege verwickelt; und musste sehr drĂŒckende Steuer erheben, um deren Kosten zu decken. Er kĂ€mpfte gegen die PĂ€pste Innozenz VI. (regierte 1352-1362) und Urban V. (regierte 1362-1370), die gegen ihn einen Kreuzzug ausriefen. Er kĂ€mpfte auch gegen Kaiser Karl IV. (regierte 1346-1378), der ihn seiner Lehen fĂŒr verlustig erklĂ€rte. Er bemĂŒhte sich nach dem Tod seines Bruder um die alleinige Macht im Staat, wurde aber von seinem jungen Neffe Gian Galeazzo getötet (1385).

Gian Galeazzo Visconti, (* 16. Oktober 1351 in Pavia, † 3. September 1402 in Melegnano) der mĂ€chtigste der Visconti, wurde Mitregent in Mailand nach dem Tod seines Vaters 1378, alleiniger Regent nach dem Tod seines Onkels 1385. Er legte den Grundstein zur Kathedrale von Mailand, baute die Certosa und die BrĂŒcke ĂŒber den Ticino in Pavia, förderte die UniversitĂ€t Pavia, grĂŒndete die Bibliothek dort und ließ die UniversitĂ€t Piacenza wiederherstellen. Seine Verwaltung war ausgezeichnet, er war ein fĂ€higer und wirtschaftlich denkender Regent, und wurde als einer der reichsten FĂŒrsten seiner Zeit angesehen. Er hatte den Ehrgeiz, ganz Italien in die Hand zu bekommen, eroberte Verona 1387 und Padua mit Hilfe Venedigs im Jahr darauf. Er wandte sich erfolgreich gegen die Regenten von Mantua und Ferrara, und anschließend, als die ganze Lombardei ihm gehörte, gegen die Toskana. 1399 kaufte er Pisa und beschlagnahmte Siena. Der deutsche König Wenzel (regierte 1376-1400) hatte ihm 1395 gegen eine Zahlung von 100.000 Florin den Titel eines Herzogs von Mailand gegeben, 1395 zum Grafen von Pavia und 1397 zum Herzog der Lombardei ernannt, und sich andererseits geweigert, gegen ihn zu Felde zu ziehen. Gian Galeazzo eroberte Perugia, Assisi, Lucca und Bologna (1400 - 1401) und belagerte Florenz, als er am 3. September 1401 im Alter von 55 Jahren an der Pest starb. Seine Söhne Giovanni Maria und Filippo Maria waren zu der Zeit noch nicht erwachsen und kamen unter den Schutz des Condottiere Facino Cane de Casale; die meisten seiner Eroberungen gingen an seine selbstsĂŒchtigen Generale verloren. Giovanni Maria Visconti wurde 1402 zum Herzog von Mailand proklamiert, zeigte eine geistesgestörte Grausamkeit, und wurde 1412 von ghibellinischen Partisanen ermordet. Filippo Maria Visconti (* 1392), seit 1402 nominell Regent von Pavia, folgte ihm als Herzog nach. Grausam und Ă€ußerst empfindsam in Bezug auf seine eigene HĂ€sslichkeit, war er nie ein großer Politiker, beschrĂ€nkte sich darauf, so mĂ€chtige Condottieri wie Francesco Bussone da Carmagnola, NiccolĂČ Piccinino und Francesco Sforza die Lombardei regieren zu lassen. Durch die Heirat mit der unglĂŒcklichen Witwe des erwĂ€hnten Facino Cane erhielt er nahezu eine halbe Million Florin. Er starb 1447 als der letzte Visconti in mĂ€nnlicher Linie; ihm folgte im Herzogtum, nach der kurzlebigen ambrosianischen Republik, 1450 Francesco I. Sforza, der 1441 seine Tochter Bianca Maria (* um 1424, † 1468)geheiratet hatte (siehe Sforza).

Weitere Familienmitglieder

Familienbeziehungen

Die folgende Übersicht ist nicht vollstĂ€ndig. Die fehlenden Daten sind bei den jeweiligen Hauptartikeln zu finden.

  1. Matteo I. Visconti (1250-1322) Herr von Mailand 1295-1302
    1. Galeazzo I. Visconti (1277-1328), Herr von Mailand 1322-1328
      1. Azzo Visconti (1302-1339), Herr von Mailand 1328-1339
    2. Lucchino Visconti (1287-1349), Herr von Mailand 1340-1349
    3. Stefano Visconti († 1327)
      1. Bernabo Visconti (1319-1385); alle Kinder unehelich, darunter:
        1. Caterina Visconti (um1360-1404) ∞ 1380 Gian Galeazzo Visconti (1351-1402), Herzog von Mailand
        2. Viridis Visconti († 1414) ∞ 1365 Leopold III. Herzog von Österreich (1351-1386)
        3. Taddea Visconti († 1381) ∞ 1364 Stefan III. Herzog von Bayern (um1337-1413)
        4. Agnes Visconti († 1391) ∞ Gianfrancesco Gonzaga Markgraf von Mantua (1363-1407)
        5. Antonia Visconti († 1405) ∞ 1386 Eberhard IV. Graf von WĂŒrttemberg (1364-1417)
        6. Maddalena Visconti († 1404) ∞ 1381 Friedrich Herzog von Bayern (um 1339-1393)
        7. Elisabetta Visconti († 1432) ∞ 1396 Ernst Herzog von Bayern (1373-1438)
        8. Lucia Visconti († 1424) ∞ Edmund Holland, Earl of Kent († 1407)
      2. Galeazzo II. Visconti (um1320-1378)
        1. Gian Galeazzo Visconti (1351-1402) Herzog von Mailand 1395-1402
          1. Valentina Visconti (1366-1480) ∞ 1389 Louis, duc d'OrlĂ©ans (1371-1407)
          2. Giovanni Maria Visconti (1389-1412) Herzog von Mailand 1402-1412
          3. Filippo Maria Visconti (1392-1447) Herzog von Mailand 1412-1447
            1. Bianca Maria Visconti (um1424-1468) (Mutter# Agnes del Maino († nach 1447), Tochter des Ambrosio) ∞ 1441 Francesco I. Sforza (1401-1466), Herzog von Mailand
      3. Matteo II. Visconti († 1355), Herr von Mailand 1354-1355
    4. Marco Visconti († 1329) PodestĂ  von Alessandria
    5. Giovanni Visconti (1290-1354) Erzbischof von Mailand 1342, Herr von Mailand 1349
    6. Caterina Visconti ∞ Alboino I. della Scala († 1311)
    7. Agnes Visconti ∞ Cecchino della Scala († 1325)
    8. Zaccharino Visconti ∞ Franchino Rusca

Literatur






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