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Zabern-Affäre

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Die Zabern-Affäre war eine innenpolitische Krise, die sich Ende 1913 im Deutschen Kaiserreich ereignete.

Ihre Ursache waren Unruhen im elsässischen Zabern (frz. Saverne), das Standort der deutschen Garnison war. Laut einem Zeitungsbericht hatte sich der deutsche Leutnant Forstner bei einer Truppenübung in abfälliger, diskriminierender Weise gegenüber den Einwohnern geäußert. Zu seinen Soldaten sagte er:

Wenn Sie angegriffen werden, dann machen Sie von Ihrer Waffe Gebrauch; wenn Sie dabei so einen 'Wackes' (Anm.: abwertende Bezeichnung für Elsässer) niederstechen, dann bekommen Sie von mir noch zehn Mark.

Am 6. November protestierte die Bevölkerung erstmals öffentlich gegen diese Behandlungsweise. Die Zivilpolizei sah keinen Grund zum Einschreiten gegeben, weshalb sich das Militär auf Befehl des Regimentskommandeurs Oberst Adolf von Reuter einschaltete und zu einer unangemessenen Gegenreaktion verleiten ließ. Unter Androhung von Waffengewalt zwang es die Demonstranten, ihre Aktionen zu beenden. Wer sich dem widersetzte, wurde ohne Rechtsgrundlage verhaftet.

Während in großen Teilen Deutschlands Entsetzen über die Vorgehensweise des Militärs herrschte, bewerteten Kaiser Wilhelm II. und dessen Kriegsminister Erich von Falkenhayn das Verhalten öffentlich als positiv. Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg, der immer mehr unter Druck geriet, traf sich am 30. November in Donaueschingen zu einem Beratungsgespräch mit Falkenhayn und dem Kaiser, um die Zabern-Affäre beizulegen. Nach anfänglichem Widerstand unterstützte er nun die Linie seiner Vorgesetzten.

Die Ereignisse in Zabern lösten im Reichstag zahlreiche Debatten aus, in denen insbesondere die SPD den Rücktritt Bethmann Hollwegs forderte. Nach einer Anfrage der empörten Presse machte das Parlament am 4. Dezember zum ersten Mal in der Geschichte des Kaiserreichs von der Möglichkeit eines Misstrauensvotums Gebrauch, die ihm seit 1910 zustand. Mit 293 Stimmen bei 4 Enthaltungen und 54 Gegenstimmen, welche ausschließlich aus den Reihen der Konservativen kamen, missbilligte es das "nicht den Anschauungen des Reichstages entsprechende" Verhalten der Regierung.

Jedoch blieb das Votum ohne Folgen, weshalb die Zabern-Affäre als eindrucksvolles Beispiel für die wahren Machtverhältnisse im Deutschland des frühen 20. Jahrhunderts dient. Reichstag und Parteien waren quasi eine unbedeutende Nebenerscheinung und konnten keinen Einfluss auf den Reichskanzler nehmen. Allein der Kaiser konnte das Amt des Reichskanzlers neu besetzen, wollte die Entscheidung des Reichstages jedoch nicht befolgen, da er sich mit aller Kraft sowie der Unterstützung des Militärs gegen eine Parlamentarisierung Deutschlands wehrte. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Äußerung Wilhelms von Hohenzollern, dem Sohn des Kaisers, der seine Bewunderung für die Reaktion des Militärs zum Jahreswechsel telegraphisch mit einem zustimmenden "Immer feste druff!" übermittelte.

Auch die deutsche Truppe wurde nicht zur Verantwortung gezogen. Um weiteren Problemen aus dem Weg zu gehen, ordnete der Kaiser am 5. Dezember eine vorübergehende Verlegung der zaberner Einheit an. Die vom 5. bis 8. Januar 1914 vor dem deutschen Kriegsgericht in Straßburg erfolgte Gerichtsverhandlung sprach die beiden Hauptverantwortlichen Oberst von Reuter und Leutnant Schadt am 10. Januar vom Vorwurf frei, sich unrechtmäßig Zivilpolizeigewalt angeeignet zu haben. Das Gericht entschuldigte sich zwar für die Übergriffe der Soldaten, sprach die Schuld aber den Zivilbehörden zu, deren Aufgabe es gewesen wäre, für Ordnung zu sorgen. Während viele Bürger, die den Prozess interessiert verfolgt hatten, nun bitter enttäuscht waren, machte sich unter den anwesenden Militärs großer Jubel über das Urteil breit, noch im Gerichtssaal gratulierten sie den Angeklagten. Auch Wilhelm II. zeigte sich sichtlich erfreut und verlieh von Reuter gar postwendend einen Orden. Militär und Monarchie verließen die Bühne als starke und selbstbewusste Sieger. Der Kaiser wurde noch einmal am 19. März tätig, als er die unverbindliche "Vorschrift über den Waffengebrauch des Militärs und seiner Mitwirkung zur Unterdrückung innerer Unruhen" erließ, die es der preußischen Armee untersagte, eigenmächtig in die Kompetenz ziviler Behörden einzuschreiten.

Das Verhältnis zwischen Deutschland und Elsass-Lothringen wurde jedoch merklich in Mitleidenschaft gezogen. Die zweite Kammer des elsass-lothringischen Parlaments äußerte sich in einer Resolution zu den Vorfällen. Während sie das Verhalten der Zivilbehörde verteidigte, verurteilte sie die Aktion des deutschen Militärs sowie den Freispruch des Kommandanten von Reuter. Sie zog aus den Ereignissen entsprechende Konsequenzen und bestimmte, dass zukünftig alle ihre Wehrpflichtigen den Dienst nur außerhalb des deutschen Reichslandes ableisten dürfen.

Der Schriftsteller Heinrich Mann verarbeitete die Zabern-Affäre in seinem Roman "Der Untertan".






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