Zufall
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Einordnung: Begriff | Statistik
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Man spricht von Zufall, wenn ein Ereignis nicht notwendig oder nicht beabsichtigt auftritt. Umgangssprachlich bezeichnet man ein Ereignis auch als zufÀllig, wenn es nicht absehbar, vorhersagbar oder berechenbar ist. ZufÀlligkeit und Unberechenbarkeit oder Unvorhersagbarkeit sind jedoch nicht dasselbe.
Als zufĂ€llig gelten Ereignisse wie eine Augenzahl beim WĂŒrfeln oder das Ergebnis eines MĂŒnzwurfs, jedenfalls wenn eine Manipulation ausgeschlossen wurde.
Eine systematische Untersuchung des PhÀnomen Zufall geschieht
- in der Philosophie (Was ist Zufall?)
- in der Mathematik (Wie lĂ€sst sich Zufall quantitativ fassen (Stochastik)? Wie lĂ€sst sich Zufall kĂŒnstlich erzeugen (Zufallszahl und Pseudozufallszahl)?)
- in der Physik (Welche Prozesse sind zufÀllig, welche determiniert?)
- in der Psychologie (Warum haben Menschen Erwartungen (und welche) ĂŒber das, was geschehen wird?)
- in der Soziologie (Wie entwickelt sich die Gesellschaft? Gibt es sozio-historische Gesetze? (siehe auch Geschichtsphilosophie)
| Inhaltsverzeichnis |
Was ist Zufall?
Eine Anmerkung zur Vorsicht: Schon die umgangssprachliche Formulierung wie "etwas zufĂ€llig Geschehenes hatte keine bekannte Ursache" impliziert eine deterministische Denkweise, denn man nimmt an, dass alles eine Ursache haben mĂŒsse. Daher wird das Wesen des Zufalls am besten im Zusammenhang mit Ăberlegungen zur KausalitĂ€t beleuchtet.
Zufallsprozesse in der Welt
Die Naturwissenschaften versuchen herauszufinden, ob unsere Welt im innersten deterministisch oder zufĂ€llig ist. Man will wissen, ob ein Ereignis zufĂ€llig ist, weil der Beobachter nicht genĂŒgend Daten hatte, um eine exakte Vorhersage zu machen, oder ob das beobachtete System in sich zufĂ€llig ist. Beide Arten von Systemen lassen sich mathematisch modellieren.
Die erste Art von Systemen sind solche, in denen angenommen wird, dass das Ergebnis eines Experiments bei festen Bedingungen immer gleich sein muss, und dass die auftretenden Variationen des Ergebnisses auftreten, weil der Beobachter das System nicht genau genug kontrolliert hat. Solche Systeme werden als deterministisch angesehen.
Es ist heute bekannt, dass (theoretisch exakt) deterministische Systeme unvorhersagbares Verhalten zeigen können. Solche Systeme werden in der Chaostheorie untersucht.
Die Quantenphysik hat eine neue Diskussion darĂŒber ausgelöst, ob die Welt fundamental deterministischen oder fundamental zufĂ€lligen Prinzipien gehorcht. Die akzeptierte Interpretation der Quantentheorie sagt, dass identische Experimente unterschiedliche Ergebnisse haben können. Das beste Beispiel hierfĂŒr ist der radioaktive Zerfall. Es ist keine Möglichkeit bekannt, den Zerfallszeitpunkt eines instabilen Atomkernes vorherzusagen. Ăber eine groĂe Anzahl von Atomkernen dagegen lassen sich statistische Vorhersagen treffen.
Es gibt Wissenschaftler, die Alternativen (etwa verborgene Variablen) vorschlagen, um doch noch eine deterministische Welt zu beschreiben.
Daneben gibt es die Möglichkeit, aus mikroskopischen Theorien, die zufÀllig erscheinen, makroskopische Theorien aufzubauen, die (quasi)deterministisch sind.
Wenn man die drei Basisbegriffe der heutigen Naturwissenschaften Stoff (= Materie), Strahlung (= Energie) und Struktur (= Information) betrachtet, kann man fragen, wie der Begriff Struktur in weitere Subkategorien untergliedert werden kann.
Die erste und wichtigste Unterteilung der Struktur ist dann die Unterscheidung zwischen Zufallsstruktur und geordneter Struktur oder auch zwischen Zufallsinformation und nicht zufÀlliger Information.
Basisbegriffe der Natur- und Strukturwissenschaften
Materie ------------ Energie
\ /
\ /
\ /
\ /
Information
/\
/ \
/ \
/ \
/ \
Zufalls- geordnete Information
Information
Zufall quantitativ
In der formalen Welt der Mathematik lassen sich abstrakte Strukturen definieren, die aus der menschlichen Vorstellung beziehungsweise Erwartung von Zufall motiviert sind. GlĂŒcksspiele motivierten die ersten mathematischen Wahrscheinlichkeitstheorien und werden auch heute noch oft zu ihrer Illustration eingesetzt.
Die folgenden Begriffe sind zentral zur formalen Beschreibung des Zufalls:
- (Zufalls)experiment: Die durchgefĂŒhrten und/oder beobachteten VorgĂ€nge (beispielsweise zweimaliges Werfen eines WĂŒrfels).
- Ergebnis oder Elementar-Ereignis: Beobachtung (beispielsweise erster Wurf '3', zweiter Wurf '5').
- Ereignis: Aus Elementarereignissen zusammengesetze Menge (das Ereignis "gerade Zahl gewĂŒrfelt" ist aus den Elementarereignissen "2,4 oder 6 gewĂŒrfelt" zusammengesetzt).
- Wahrscheinlichkeit: Jedem Elementarereignis wird ein Zahlenwert zwischen 0 (tritt nie ein) und 1 (tritt immer ein) zugeordnet (beispielsweise Gleichverteilung: Die Wahrscheinlichkeit fĂŒr jede Zahl auf dem WĂŒrfel ist gleichgroĂ, nĂ€mlich 1/6). Bei einem Kontinuum möglicher Ergebnisse spricht man von einer Wahrscheinlichkeitsverteilung.
Offensichtlich sind nur solche Zufallsexperimente interessant, die mehr als ein mögliches Ergebnis haben.
Die Statistik versucht, zu einem gegebenen Zufallsexperiment die zugrundeliegende Wahrscheinlichkeitsverteilung zu ermitteln.
Beispiel eines Zufallsexperimentes
Die Stufen eines Zufallsexperiments sind
- Vor dem Experiment: Mindestens 2 Ergebnisse sind möglich, es ist aber noch nichts entschieden.
- Das Zufallsexperiment wird durchgefĂŒhrt.
- Aus den mindestens 2 möglichen Ergebnissen wurde eines zufÀllig ausgewÀhlt.
Das einfachste Zufallsexperiment hat zwei mögliche Ergebnisse, die die gleiche Wahrscheinlichkeit besitzen.
Man kann mit einer MĂŒnze diese Art von Zufallsexperiment durchfĂŒhren und selber Zufallszahlen erzeugen. Dabei ordnet man der einen Seite der MĂŒnze die Zahl 0, der anderen die Zahl 1 zu. Durch Notieren vieler Wurfergebnisse erhĂ€lt man eine Folge von 0 und 1. Eine solche Folge ist das Ergebnis eines sehr einfachen Zufallsprozesses.
Die so erhaltenen Zufallsfolgen von 0 und 1 sind leicht statistisch untersuchbar. Dabei kann man Eigenschaften dieser Zufallsfolgen feststellen, die bei nicht-zufĂ€lligen Folgen (also Folgen, die deterministisch nach irgendeinem Gesetz ermittelt werden) nicht auftreten. Auf diese Weise kann man Zahlenfolgen auf echte ZufĂ€lligkeit prĂŒfen.
AuffÀllige statistische Abweichungen von reinen Zufallsfolgen können zum Beispiel verwendet werden, um wissenschaftliche FÀlschungen zu enttarnen, da Messungen stets auch einen zufÀlligen Messfehler beinhalten, wÀhrend erfundene Zufallsfehler oft gerade durch den Versuch, sie möglichst zufÀllig erscheinen zu lassen, deutliche Abweichungen vom Zufallsergebnis enthalten.
Je lĂ€nger eine Zahlenfolge ist, desto klarer kann unterschieden werden, ob es sich um eine zufĂ€llige oder nicht zufĂ€llige Folge handelt. Theoretisch kann auch ein Zufallsexperiment eine Folge von hundert Nullen hintereinander liefern, nur ist das so unwahrscheinlich, dass man in diesem Fall mit gutem Recht von einer RegelmĂ€Ăigkeit ausgehen darf. Auf der anderen Seite gibt es deterministische Algorithmen, deren Ergebnisse sehr Ă€hnlich denen eines Zufallsexperiments sind, so genannte Pseudozufallsgeneratoren. Bei guten Pseudozufallsgeneratoren braucht man eine sehr lange Zahlenreihe, um den Unterschied zum echten Zufall erkennen zu können. In der Informatik werden gelegentlich Zufallszahlen benötigt. Der Versuch, sie mit dem Computer zu berechnen, ist ein Widerspruch in sich.
Eine Folge, die die RealitĂ€t abbildet, ist nicht immer rein deterministisch oder rein zufĂ€llig, sondern es liegt hĂ€ufig eine Mischung aus beidem vor. Ein einfaches Beispiel wĂ€re, wenn man beispielsweise stets eine Ziffer per MĂŒnzwurf bestimmt, die nĂ€chste als den Unterschied zwischen den beiden vorhergehenden Ziffern, dann wieder MĂŒnzwurf, und so fort. Durch Untersuchung solcher Folgen bekommt man ein recht gutes VerstĂ€ndnis fĂŒr den Zufall und die Mischung von ZufĂ€lligem und NichtzufĂ€lligem, wie es ja oft in der RealitĂ€t anzutreffen ist.
Ein elementares Zufallsereignis beruht auf Gleichheit und Ungleichheit
- Die zwei möglichen Varianten mĂŒssen gleich sein (das heiĂt gleichwahrscheinlich).
- Trotzdem mĂŒssen sie irgendwie ungleich, nĂ€mlich unterscheidbar sein.
(MĂŒnze: beide Seiten mĂŒssen mit derselben Wahrscheinlichkeit auftreten können, trotzdem mĂŒssen beide Seiten verschieden geprĂ€gt (beziehungsweise gefĂ€rbt etc.) sein, sonst könnte man sie nicht unterscheiden.)
Zufall und Gerechtigkeit
Die Natur kennt keine Gerechtigkeit, der Zufall auch nicht.
Ein Beispiel:
Wir möchten 11 MĂŒnzen auf 10 Schweinchen verteilen. Wie stellen wir es an?
1) Wir geben fast jedem eine MĂŒnze. Aber warum bekommt ein
Schweinchen zwei?
2) WĂŒrfeln wir und lassen den Zufall entscheiden, ist folgende Verteilung die wahrscheinlichste (siehe Binomialverteilung):
- Ein Schweinchen (10%) bekommt sehr viel (drei MĂŒnzen),
- zwei (20%) bekommen viel (zwei MĂŒnzen),
- vier (40%) bekommen etwas (eine MĂŒnze).
- Drei (30%!) gehen leer aus.
Es ist die Aufgabe einer Gesellschaft, ein System zu finden, das HÀrten ausgleicht und von möglichst allen akzeptiert wird.
Zufall und freier Wille
Zwischen den Begriffen Zufall und freier Wille existiert ein enger Zusammenhang. Man kann argumentieren, dass eine freie Entscheidung eine Entscheidung ist, die zumindest teilweise nicht von anderen EinflĂŒssen (innerer und Ă€uĂerer Art) bestimmt wird. Sie ist also nicht determiniert. Dies kann aber gerade auch als Definition von Zufall angesehen werden. Nach dieser Auffassung kann es in einem Universum ohne Zufall keinen freien Willen geben, da jede Entscheidung bei Kenntnis aller EinflussgröĂen vorhergesagt werden könnte.
Es ist nun eine Aufgabe der Philosophie, Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Begriffe genauer herauszuarbeiten. Der englische Begriff random number (wörtlich: freie Zahl) fĂŒr Zufallszahl weist auf diesen Zusammenhang hin.
Einige wichtige Basisaussagen ĂŒber den Zufall
- Ein elementarer Zufallsprozess ist der MĂŒnzwurf, denn er liefert eine zufĂ€llige Entscheidung zwischen 2 Alternativen. Man beachte, dass es fĂŒr den MĂŒnzwurf irrelevant ist, ob das Ergebnis prinzipiell unberechenbar ist oder bei genauer Kenntnis der Rahmenbedingungen vorausgesagt werden kann. Solange alle Beteiligten gleich wenig ĂŒber das Ergebnis wissen, wird der MĂŒnzwurf als fair empfunden.
- Eine beispielsweise durch MĂŒnzwurf erzeugte Zufallsfolge von 0 und 1 lĂ€sst sich ohne Verlust kaum komprimieren.
- Je mehr Ordnung und RegelmĂ€Ăigkeit man in einem System erkennt, desto weniger Zufall verbleibt darin.
- Es ist kein Verfahren bekannt, wie man "echten" Zufall (was immer das sein soll) von jenen Ereignissen unterscheiden kann, die scheinbar zufĂ€llig sind, tatsĂ€chlich aber einem unbekannten deterministischen Gesetz gehorchen. Erst wenn man dieses deterministisches Gesetz findet, kann man "echten" Zufall ausschlieĂen.
- Zufall heiĂt nicht, das alles möglich ist. Ein zufĂ€lliger MĂŒnzwurf kann nur Kopf oder Zahl ergeben. Falls die MĂŒnze auf der Kante liegen bleibt, wirft man sie eben nochmals...
- Manche meinen, wenn Zukunft völlig festgelegt und vorherbestimmt ist (deterministische Weltanschauung), dann gibt es keinen Zufall. Andere meinen, die Nachkommastellen der Zahl Pi 3,14159... seien völlig zufĂ€llig. Offensichtlich wird hier das Wort "Zufall" in widersprĂŒchlichen Bedeutungen verwendet.
- Die Mischung aus zufÀlligen und nichtzufÀlligen Ereignissen wird der RealitÀt am besten gerecht. Die Frage ist lediglich, in welchem VerhÀltnis zu mischen ist.
- Bevor man ein Ereignis als zufĂ€llig ansieht, sollte man sich eingehende Gedanken darĂŒber machen, ob es wirklich rein zufĂ€llig ist. Manchmal ist der Zufall eine zu bequeme ErklĂ€rungsvariante.
- Das menschliche Gehirn neigt andererseits dazu, auch in rein zufĂ€llige Geschehnisse GesetzmĂ€Ăigkeiten hinein zu interpretieren, da das kausale Denken insgesamt sich sehr erfolgreich erwiesen hat. Interessant ist in diesem Zusammenhang das Experiment von Wright an der UniversitĂ€t Stanford mit dem "vielarmigen Banditen", siehe z. B. Paul Watzlawick, Wie wirklich ist die Wirklichkeit?Die rein statistische Berechnung der informationstheoretischen Entropie ist kein geeignetes MaĂ, um die Menge an Zufall in einer Zahlenfolge zu messen.
- Hat der Zufall ein GedÀchtnis?
- Das Zufallsexperiment des einmaligen Wurfs eines WĂŒrfels hat kein GedĂ€chtnis. Das Zufallsexperiment der einmaligen eingeworfenen Roulettekugel auch nicht. FĂ€llt die Kugel z. B. auf 5, so Ă€ndert das im idealen Roulettespiel nichts an den Chancen, dass das nĂ€chste Mal wieder die 5 kommt
- Im realen Roulettespiel sind wegen mechanischer UnregelmĂ€Ăgikeiten die Chancen vorhanden, dass eine Ungleichverteilung der Wahrscheinlichkeiten fĂŒr die einzelnen Zahlen herrscht. Roulette hat also ein GedĂ€chtnis in dem Sinn, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine der hĂ€ufig gefallenen Zahlen wieder kommt, höher als oder zumindest gleich hoch ist wie die Wahrscheinlichkeit, dass eine der bisher selten gefallenen Zahlen kommt. Im realen Roulette mĂŒssen die Zylinder daher hĂ€ufig getauscht werden, damit niemand diese Ungleichverteilung ausnutzen kann.
- Kartenspiele haben ĂŒblicherweise ein GedĂ€chtnis: die gezogene Karte kommt meist entsprechend der Regeln nicht zurĂŒck ins Spiel. Wird eine hohe Karte gezogen, so sinken die Chancen, dass das nĂ€chste Mal wieder eine hohe Karte gezogen wird. Daraus können Gewinnstrategien fĂŒr das betreffende Spiel entsprechend der Regeln abgeleitet werden.
- Das Zufallsexperiment des einmaligen Wurfs eines WĂŒrfels hat kein GedĂ€chtnis. Das Zufallsexperiment der einmaligen eingeworfenen Roulettekugel auch nicht. FĂ€llt die Kugel z. B. auf 5, so Ă€ndert das im idealen Roulettespiel nichts an den Chancen, dass das nĂ€chste Mal wieder die 5 kommt
Zufallsgeneratoren
Solche können zum Beispiel sein: MĂŒnze, WĂŒrfel, Roulette, Urne oder ReiĂnagel
Spiele mit dem Zufall? - Beispiel: Stichomantie
Zitate
- ZufÀllig im reinen Sinne der Kategorie ist das, dessen kontradiktorisches Gegenteil möglich ist. Immanuel Kant (Kritik der reinen Vernunft, B 487)
- Und was / Ist Zufall anders als der rohe Stein, / Der Leben annimmt unter Bildners Hand? / Den Zufall gibt die Vorsehung - Zum Zwecke / Muss ihn der Mensch gestalten. - Friedrich Schiller (Don Carlos)
- Zufall ist das unberechenbare Geschehen, das sich unserer Vernunft und Absicht entzieht. - GebrĂŒder Grimm (Deutsches Wörterbuch)
- Zufall ist vielleicht das Pseudonym Gottes, wenn er nicht selbst unterschreiben will. - Anatole France
- Nun noch zu einem weiteren Kennzeichen der Biologie, dem Zufall. In den physikalischen Wissenschaften fĂŒhren die Naturgesetze normalerweise zu stark deterministischen Ergebnissen. Weder die natĂŒrliche noch die geschlechtliche Selektion gewĂ€hrleisten einen solchen Determinismus. TatsĂ€chlich ist das Ergebnis eines evolutionĂ€ren Prozesses gewöhnlich die Folge von Wechselwirkungen zahlreicher Zufallsfaktoren. Blinder Zufall produziert auch die Variation. Er herrscht sowohl beim crossing-over wie bei der Verteilung, der Chromosomen in der Reduktionsteilung. Gerade wegen dieses Zufallsaspektes wurde die Theorie der natĂŒrlichen Selektion am hĂ€ufigsten kritisiert. Doch ist es gerade diese UnabhĂ€ngigkeit vom Determinismus, die der natĂŒrlichen Selektion ihre groĂe FlexibilitĂ€t gibt. Es ist keineswegs wahr, wie von Darwins Zeitgenossen, zum Beispiel dem Geologen Sedgwick behauptet wurde, dass es unwissenschaftlich sei, sich auf den Zufall zu berufen, Es ist gerade die ZufĂ€lligkeit der Variation, die so charakteristisch fĂŒr die Darwin'sche Evolution ist. Dennoch ist die relative Bedeutung des Zufalls im Evolutionsprozess auch heute noch sehr umstritten. NatĂŒrlich hat die eigentliche Selektion immer das letzte Wort. - Ernst Mayr
- Zufall ist ein Wort ohne Sinn, nichts kann ohne Ursache existieren. - Voltaire
- Die Welt, in der wir leben, lĂ€sst sich als das Ergebnis von Wirrwarr und Zufall verstehen; wenn sie jedoch das Ergebnis einer Absicht ist, muss es die Absicht eines Teufels gewesen sein. Ich halte den Zufall fĂŒr eine weniger peinliche und zugleich plausiblere ErklĂ€rung. - Bertrand Russell
- Der Zufall lehrt uns Achtsamkeit. Hierin liegt der gröĂte Gewinn, das er uns beschert. Ăberraschungen machen uns empfĂ€nglich fĂŒr die Gegenwart - und ist das Jetzt nicht alles, was wir haben? Sich dem Zufall öffnen heiĂt lebendig sein. Stefan Klein, www.stefanklein.info , www.alles-zufall.de
- No risk, no fun Autor unbekannt
- Ein Wenig Weisheit ist schon möglich; aber diese selige Sicherheit fand ich an allen Dingen: dass sie lieber noch auf den FĂŒssen des Zufalls - tanzen. Friedrich Nietzsche
- Es wird auch der Zufall und das UngefĂ€hr unter der Ursachen genannt und gesagt, daĂ vieles theils ist theils wird durch Zufall und von ungefĂ€hr. Auf welche Weise nun zu den Ursachen, von denen wir sprachen, der Zufall gehört und das UngefĂ€hr, und ob das nĂ€mliche der Zufall ist und das UngefĂ€hr, oder ein verschiedenes, und ĂŒberhaupt was da ist der Zufall und das UngefĂ€hr, ist zu untersuchen. Denn Einige zweifeln sogar, ob jene sind oder nicht. Nichts nĂ€mlich geschehe aus Zufall, sagen sie; sondern alles habe eine bestimmte Ursache, von dem wir sagen, es geschehe von ungefĂ€hr oder aus Zufall: so wenn jemand aus Zufall auf den Markt komme, und treffe den er wollte aber nicht zu treffen meinte, sei Ursache davon sein Wille zu kommen und MarktgeschĂ€fte zu treiben. Auf gleiche Weise finde auch bei dem Uebrigen, was zufĂ€llig heiĂt, stets eine Ursache statt, die anzugeben sei, aber nicht Zufall. ... Denn vieles wird und ist aus Zufall und von ungefĂ€hr von dem wir, wohl wissend, daĂ jedes Ding sich zurĂŒckfĂŒhren lĂ€Ăt auf eine Ursache des Werdens, wie der alte Spruch sagt, der den Zufall lĂ€ugnet, dennoch alle sagen, es sei aus Zufall, wĂ€hrend wir bei anderem sagen, es sei nicht aus Zufall. ... Unbestimmbar nun mĂŒssen die Ursachen sein, durch die das ZufĂ€llige geschehen mag. Daher scheint der Zufall zu dem Unbestimmten zu gehören und unklar dem Menschen; Aristoteles
Literatur
- Klein, StefanAlles Zufall. Die Kraft, die unser Leben bestimmt. 2004. ISBN 3-498-03519-3,
- Lew W. Tarassow: Wie der Zufall will? Vom Wesen der Wahrscheinlichkeit. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1998 ISBN 3827404746
- Gerd Gigerenzer, Zeno Swijtink, Theodore Porter unter anderem : Das Reich des Zufalls: Wissen zwischen Wahrscheinlichkeiten, HÀufigkeiten und UnschÀrfen. Spektrum Akademischer Verlag 1999. ISBN 3-8274-0101-1
(Buch ĂŒber die Geschichte der Wahrscheinlichkeitsrechnung) - Manfred Eigen und Ruthild Winkler: Das Spiel. Naturgesetze steuern den Zufall. Piper. ISBN 3-492-20410-4
- Karl Bosch: Statistik fĂŒr Nichtstatistiker. Zufall oder Wahrscheinlichkeit ISBN 3486247506
- Allan Combs/Mark Holland: Die Magie des Zufalls ISBN 3499191776
Klassische Werke zum Thema Zufall
- Aristoteles: Physika
- Heinrich Emil Timerding: Die Analyse des Zufalls
- Jakob Bernoulli: Wahrscheinlichkeitsrechnung Ars conjectandi. Reihe Ostwalds Klassiker, Bd. 107. ISBN 3-8171-3107-0
- Pierre Simon Laplace: Philosophischer Versuch ĂŒber die Wahrscheinlichkeit. Reihe Ostwalds Klassiker, Bd. 233. ISBN 3-8171-3233-6
Siehe auch
Zufall und Ordnung | Zufall (Philosophie) | Stochastik | Wahrscheinlichkeit,Zufallszahl | Entropie | Das Gesetz der groĂen Zahl Zufallsvariable | Zufallsexperiment | Chance | Risiko | Schicksal | Pech | GlĂŒck | KausalitĂ€t | Randomisation | Information
Weblinks
- weitere Weblinks
- ausfĂŒhrlicher Arbeitstext zum Thema Zufall - Was ist Zufall? Prominente Physiker antworten
- Seiten ĂŒber echte Hardware-Zufallszahlengeneratoren
- Seite ĂŒber Zufallsgeneratoren mit vielen Bildern - "WĂŒrfelt Gott? Und wenn ja, wann? Noch immer streiten Physiker ĂŒber den Zufall in der Quantenmechanik, der schon Albert Einstein missfiel."
/links.html
- Suche nach Zufall Infos mit: Yahoo
