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Zufall

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Man spricht von Zufall, wenn ein Ereignis nicht notwendig oder nicht beabsichtigt auftritt. Umgangssprachlich bezeichnet man ein Ereignis auch als zufÀllig, wenn es nicht absehbar, vorhersagbar oder berechenbar ist. ZufÀlligkeit und Unberechenbarkeit oder Unvorhersagbarkeit sind jedoch nicht dasselbe.

Als zufĂ€llig gelten Ereignisse wie eine Augenzahl beim WĂŒrfeln oder das Ergebnis eines MĂŒnzwurfs, jedenfalls wenn eine Manipulation ausgeschlossen wurde.

Eine systematische Untersuchung des PhÀnomen Zufall geschieht

Inhaltsverzeichnis

Was ist Zufall?

Eine Anmerkung zur Vorsicht: Schon die umgangssprachliche Formulierung wie "etwas zufĂ€llig Geschehenes hatte keine bekannte Ursache" impliziert eine deterministische Denkweise, denn man nimmt an, dass alles eine Ursache haben mĂŒsse. Daher wird das Wesen des Zufalls am besten im Zusammenhang mit Überlegungen zur KausalitĂ€t beleuchtet.

Zufallsprozesse in der Welt

Die Naturwissenschaften versuchen herauszufinden, ob unsere Welt im innersten deterministisch oder zufĂ€llig ist. Man will wissen, ob ein Ereignis zufĂ€llig ist, weil der Beobachter nicht genĂŒgend Daten hatte, um eine exakte Vorhersage zu machen, oder ob das beobachtete System in sich zufĂ€llig ist. Beide Arten von Systemen lassen sich mathematisch modellieren.

Die erste Art von Systemen sind solche, in denen angenommen wird, dass das Ergebnis eines Experiments bei festen Bedingungen immer gleich sein muss, und dass die auftretenden Variationen des Ergebnisses auftreten, weil der Beobachter das System nicht genau genug kontrolliert hat. Solche Systeme werden als deterministisch angesehen.

Es ist heute bekannt, dass (theoretisch exakt) deterministische Systeme unvorhersagbares Verhalten zeigen können. Solche Systeme werden in der Chaostheorie untersucht.

Die Quantenphysik hat eine neue Diskussion darĂŒber ausgelöst, ob die Welt fundamental deterministischen oder fundamental zufĂ€lligen Prinzipien gehorcht. Die akzeptierte Interpretation der Quantentheorie sagt, dass identische Experimente unterschiedliche Ergebnisse haben können. Das beste Beispiel hierfĂŒr ist der radioaktive Zerfall. Es ist keine Möglichkeit bekannt, den Zerfallszeitpunkt eines instabilen Atomkernes vorherzusagen. Über eine große Anzahl von Atomkernen dagegen lassen sich statistische Vorhersagen treffen.

Es gibt Wissenschaftler, die Alternativen (etwa verborgene Variablen) vorschlagen, um doch noch eine deterministische Welt zu beschreiben.

Daneben gibt es die Möglichkeit, aus mikroskopischen Theorien, die zufÀllig erscheinen, makroskopische Theorien aufzubauen, die (quasi)deterministisch sind.

Wenn man die drei Basisbegriffe der heutigen Naturwissenschaften Stoff (= Materie), Strahlung (= Energie) und Struktur (= Information) betrachtet, kann man fragen, wie der Begriff Struktur in weitere Subkategorien untergliedert werden kann.

Die erste und wichtigste Unterteilung der Struktur ist dann die Unterscheidung zwischen Zufallsstruktur und geordneter Struktur oder auch zwischen Zufallsinformation und nicht zufÀlliger Information.

Basisbegriffe der Natur- und Strukturwissenschaften


Materie ------------  Energie 
   \                     /
    \                   /
     \                 /
      \               /
          Information 
              /\
             /  \
            /    \
           /      \
          /        \
 Zufalls-          geordnete Information
 Information

Zufall quantitativ

In der formalen Welt der Mathematik lassen sich abstrakte Strukturen definieren, die aus der menschlichen Vorstellung beziehungsweise Erwartung von Zufall motiviert sind. GlĂŒcksspiele motivierten die ersten mathematischen Wahrscheinlichkeitstheorien und werden auch heute noch oft zu ihrer Illustration eingesetzt.

Die folgenden Begriffe sind zentral zur formalen Beschreibung des Zufalls:

(Zufalls)experiment: Die durchgefĂŒhrten und/oder beobachteten VorgĂ€nge (beispielsweise zweimaliges Werfen eines WĂŒrfels).
Ergebnis oder Elementar-Ereignis: Beobachtung (beispielsweise erster Wurf '3', zweiter Wurf '5').
Ereignis: Aus Elementarereignissen zusammengesetze Menge (das Ereignis "gerade Zahl gewĂŒrfelt" ist aus den Elementarereignissen "2,4 oder 6 gewĂŒrfelt" zusammengesetzt).
Wahrscheinlichkeit: Jedem Elementarereignis wird ein Zahlenwert zwischen 0 (tritt nie ein) und 1 (tritt immer ein) zugeordnet (beispielsweise Gleichverteilung: Die Wahrscheinlichkeit fĂŒr jede Zahl auf dem WĂŒrfel ist gleichgroß, nĂ€mlich 1/6). Bei einem Kontinuum möglicher Ergebnisse spricht man von einer Wahrscheinlichkeitsverteilung.

Offensichtlich sind nur solche Zufallsexperimente interessant, die mehr als ein mögliches Ergebnis haben.

Die Statistik versucht, zu einem gegebenen Zufallsexperiment die zugrundeliegende Wahrscheinlichkeitsverteilung zu ermitteln.

Beispiel eines Zufallsexperimentes

Die Stufen eines Zufallsexperiments sind

  1. Vor dem Experiment: Mindestens 2 Ergebnisse sind möglich, es ist aber noch nichts entschieden.
  2. Das Zufallsexperiment wird durchgefĂŒhrt.
  3. Aus den mindestens 2 möglichen Ergebnissen wurde eines zufÀllig ausgewÀhlt.

Das einfachste Zufallsexperiment hat zwei mögliche Ergebnisse, die die gleiche Wahrscheinlichkeit besitzen.

Man kann mit einer MĂŒnze diese Art von Zufallsexperiment durchfĂŒhren und selber Zufallszahlen erzeugen. Dabei ordnet man der einen Seite der MĂŒnze die Zahl 0, der anderen die Zahl 1 zu. Durch Notieren vieler Wurfergebnisse erhĂ€lt man eine Folge von 0 und 1. Eine solche Folge ist das Ergebnis eines sehr einfachen Zufallsprozesses.

Die so erhaltenen Zufallsfolgen von 0 und 1 sind leicht statistisch untersuchbar. Dabei kann man Eigenschaften dieser Zufallsfolgen feststellen, die bei nicht-zufĂ€lligen Folgen (also Folgen, die deterministisch nach irgendeinem Gesetz ermittelt werden) nicht auftreten. Auf diese Weise kann man Zahlenfolgen auf echte ZufĂ€lligkeit prĂŒfen.

AuffÀllige statistische Abweichungen von reinen Zufallsfolgen können zum Beispiel verwendet werden, um wissenschaftliche FÀlschungen zu enttarnen, da Messungen stets auch einen zufÀlligen Messfehler beinhalten, wÀhrend erfundene Zufallsfehler oft gerade durch den Versuch, sie möglichst zufÀllig erscheinen zu lassen, deutliche Abweichungen vom Zufallsergebnis enthalten.

Je lĂ€nger eine Zahlenfolge ist, desto klarer kann unterschieden werden, ob es sich um eine zufĂ€llige oder nicht zufĂ€llige Folge handelt. Theoretisch kann auch ein Zufallsexperiment eine Folge von hundert Nullen hintereinander liefern, nur ist das so unwahrscheinlich, dass man in diesem Fall mit gutem Recht von einer RegelmĂ€ĂŸigkeit ausgehen darf. Auf der anderen Seite gibt es deterministische Algorithmen, deren Ergebnisse sehr Ă€hnlich denen eines Zufallsexperiments sind, so genannte Pseudozufallsgeneratoren. Bei guten Pseudozufallsgeneratoren braucht man eine sehr lange Zahlenreihe, um den Unterschied zum echten Zufall erkennen zu können. In der Informatik werden gelegentlich Zufallszahlen benötigt. Der Versuch, sie mit dem Computer zu berechnen, ist ein Widerspruch in sich.

Eine Folge, die die RealitĂ€t abbildet, ist nicht immer rein deterministisch oder rein zufĂ€llig, sondern es liegt hĂ€ufig eine Mischung aus beidem vor. Ein einfaches Beispiel wĂ€re, wenn man beispielsweise stets eine Ziffer per MĂŒnzwurf bestimmt, die nĂ€chste als den Unterschied zwischen den beiden vorhergehenden Ziffern, dann wieder MĂŒnzwurf, und so fort. Durch Untersuchung solcher Folgen bekommt man ein recht gutes VerstĂ€ndnis fĂŒr den Zufall und die Mischung von ZufĂ€lligem und NichtzufĂ€lligem, wie es ja oft in der RealitĂ€t anzutreffen ist.

Ein elementares Zufallsereignis beruht auf Gleichheit und Ungleichheit

(MĂŒnze: beide Seiten mĂŒssen mit derselben Wahrscheinlichkeit auftreten können, trotzdem mĂŒssen beide Seiten verschieden geprĂ€gt (beziehungsweise gefĂ€rbt etc.) sein, sonst könnte man sie nicht unterscheiden.)

Zufall und Gerechtigkeit



Die Natur kennt keine Gerechtigkeit, der Zufall auch nicht.

Ein Beispiel:
Wir möchten 11 MĂŒnzen auf 10 Schweinchen verteilen. Wie stellen wir es an?

1) Wir geben fast jedem eine MĂŒnze. Aber warum bekommt ein Schweinchen zwei?

2) WĂŒrfeln wir und lassen den Zufall entscheiden, ist folgende Verteilung die wahrscheinlichste (siehe Binomialverteilung):

Es ist die Aufgabe einer Gesellschaft, ein System zu finden, das HÀrten ausgleicht und von möglichst allen akzeptiert wird.

Zufall und freier Wille

Zwischen den Begriffen Zufall und freier Wille existiert ein enger Zusammenhang. Man kann argumentieren, dass eine freie Entscheidung eine Entscheidung ist, die zumindest teilweise nicht von anderen EinflĂŒssen (innerer und Ă€ußerer Art) bestimmt wird. Sie ist also nicht determiniert. Dies kann aber gerade auch als Definition von Zufall angesehen werden. Nach dieser Auffassung kann es in einem Universum ohne Zufall keinen freien Willen geben, da jede Entscheidung bei Kenntnis aller EinflussgrĂ¶ĂŸen vorhergesagt werden könnte.

Es ist nun eine Aufgabe der Philosophie, Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Begriffe genauer herauszuarbeiten. Der englische Begriff random number (wörtlich: freie Zahl) fĂŒr Zufallszahl weist auf diesen Zusammenhang hin.


Einige wichtige Basisaussagen ĂŒber den Zufall

Zufallsgeneratoren

Solche können zum Beispiel sein: MĂŒnze, WĂŒrfel, Roulette, Urne oder Reißnagel

Spiele mit dem Zufall? - Beispiel: Stichomantie

Zitate

Literatur


Klassische Werke zum Thema Zufall

Siehe auch

Zufall und Ordnung | Zufall (Philosophie) | Stochastik | Wahrscheinlichkeit,Zufallszahl | Entropie | Das Gesetz der großen Zahl Zufallsvariable | Zufallsexperiment | Chance | Risiko | Schicksal | Pech | GlĂŒck | KausalitĂ€t | Randomisation | Information

Weblinks



- ausfĂŒhrlicher Arbeitstext zum Thema Zufall
- Was ist Zufall? Prominente Physiker antworten
 
- Seiten ĂŒber echte Hardware-Zufallszahlengeneratoren
- Seite ĂŒber Zufallsgeneratoren mit vielen Bildern
- "WĂŒrfelt Gott? Und wenn ja, wann? Noch immer streiten Physiker ĂŒber den Zufall in der Quantenmechanik, der schon Albert Einstein missfiel."


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